Die tägliche Arbeit in einem Tierheim ist vielfältig und funktioniert nur, wenn das ganze Team zusammen mitwirkt.
Tierschutz im Tierheim bedeutet Tierliebe, Engagement und Wille, Tieren zu helfen.
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Traumberuf oder Knochenjob – Tierpflege als Ausbildungsberuf
In jedem Tierheim wird von Zeit zu Zeit neues Fachpersonal gesucht. Die Tatsache, dass ausgebildete Heimtierpfleger*innen gesucht werden, stößt dann oftmals auf Unverständnis. Ein tierliebes Herz und Erfahrung mit dem eigenen Haustier müssten doch ausreichen, so die vielfache Vorstellung. Und von Seiten der Politik wird gerne auf das Ehrenamt verwiesen, wenn es um die Kosten für Tierpflegeleistungen geht.
Tierpflege ehrenamtlich organisieren?
Die Zeiten, in denen Tierheime ehrenamtlich betreut werden konnten, sind jedoch – zumindest wenn eine gewisse Größe der Einrichtung erreicht wird – seit vielen Jahren vorbei. Die verbindliche Einhaltung von Dienstplänen ist heutzutage unabdingbar, wenn täglich – wie im Essener Tierheim – rund 60 Hunde, an die 100 Katzen und etliche Dutzend Kleintiere, Vögel und Exoten zu versorgen sind. Ausnahmslos jeden Tag. Auch Heiligabend und Weihnachten, Silvester und Neujahr und jeden Samstag und Sonntag des Jahres. Allein der organisatorische Aufwand, eine zuverlässige Pflege, die gleichzeitig einen gewissen Standard einhält, rein ehrenamtlich zu gewährleisten, wäre kaum zu stemmen.
Heimtierpflege – seit 20 Jahren ein Ausbildungsberuf
Allerdings hat sich auch die hauptamtliche, mit Arbeitsvertrag und festen Arbeitszeiten ausgestattete Tierversorgung und Tierpflege in den letzten Jahren enorm gewandelt. Zahlreiche gesetzliche Vorgaben in Bezug auf Tierhaltung in Tierheimen und geänderte Vorstellungen von artgerechter Unterbringung einzelner Tierarten führten 1999 dazu, dass die Tierheim- und Pensionstierpflege in die Ausbildungsordnung für Tierpfleger als neuer Schwerpunkt aufgenommen wurde. Seitdem dürfen Tierschutzvereine in ihren Tierheimen ausbilden.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit einer IHK-Abschlussprüfung. In ihrer praktischen Ausbildung werden die Auszubildenden von IHK-geprüften Ausbildern begleitet und unterstützt. Sie lernen in dieser Zeit alle Abteilungen des Tierheims und alle betreuten Tierarten kennen.
Auch die vermittelten Lerninhalte sind vielfältig. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen und Tierhaltungsverordnungen, Umwelt- und Sicherheitsvorschriften stehen der Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln und die Anwendung von Hygienevorschriften auf dem Lehrplan. Darüber hinaus gehören die Aneignung grundlegender Kenntnisse über das Verhalten von Tieren und das Erkennen individueller Tiercharaktere, die Kenntnis typischer Erkrankungen bei Hunden, Katzen, Kleintieren und Exoten und deren Ursachen, das Erkennen allgemeiner Krankheitszeichen sowie die Vorbereitung der tierärztlichen Behandlung oder die Medikamentenverabreichung und einfache Untersuchungen bei Neuzugängen zum Standardprogramm in der Ausbildung
Auf den Punkt gebracht
„Die Arbeit als Tierpfleger/in ist kein Ponyhof. Zwar sind die Tiere immer um dich herum, aber Zeit für Kuscheln bleibt nur selten. Sind Tiere verängstigt oder krank, brauchst du viel Geduld und vor allem ein paar Muckis. Denn wenn der Tierarzt sie behandeln will, musst du sie erst einfangen und dann ruhig halten. Vor allem der Umgang mit aggressiven Hunden, die eine Leidensgeschichte mitbringen, ist nicht immer einfach. Dass du täglich mit dem besonderen Geruch und den Ausscheidungen der Tiere zu tun hast, ist dir sicherlich klar. Das Ausmisten und Instandhalten der Tierunterkünfte bedeutet vor allem körperliche Arbeit.“
So informiert das Jobportal Azubi.de Schüler*innen und junge Erwachsene auf der Suche nach einer Ausbildung über den Beruf der Tierpfleger*in und benennt dabei einige wesentliche Aspekte, die künftige Tierpfleger*innen für diesen Beruf mitbringen sollten: Gute körperliche Konstitution und Kondition, ein ausgeglichenes, ruhiges und geduldiges Naturell, keine Vorbehalte im Umgang mit Fäkalien, Gerüchen und dem Putzeimer. Hinzugefügt sei die Bereitschaft, sich mit den vielfältigen, durchaus anspruchsvollen Lerninhalten auseinanderzusetzen.
Die Liebe zum Tier allein reicht also nicht – sie darf aber auch nicht fehlen!
Unser Anspruch
Seit mehr als 20 Jahren werden im Essener Albert-Schweitzer-Tierheim Heimtierpfleger*innen ausgebildet, und wenn nach Beendigung der jeweiligen Ausbildung eine Stelle frei ist, wird dort gerne auf die „eigenen Jungkräfte“ zurückgegriffen. Ab 2020 wird der Essener Tierschutzverein nun auch über den eigenen Bedarf ausbilden, um auf den noch immer großen Mangel an Fachkräften in nordrhein-westfälischen Tierheimen zu reagieren. Im Albert-Schweitzer-Tierheim sollen dann jährlich vier Auszubildende einen Ausbildungsplatz finden.